3 Tage Zermatt während dem Lockdown

Verfasst von Fritz am 7. März 2021.

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Mit der Gotthard Bahn von Täsch kommen wir gegen Mittag am Bahnhof Zermatt an. Alles ist irgendwie unwirklich. Alle tragen Schutzmasken und wo normalerweise Hochbetrieb herrscht, stehen nur wenige Gäste am Bahnhof und warten auf ein Elektro Taxi, das sie in ihre Unterkunft bringt.

Gerade wird der grosse Weihnachtsbaum auf dem Platz von einigen unmotivierten Männern abgebaut und die riesigen Kugeln feinsäuberlich in Kartons verpackt um diese nächste Jahr wieder an den Weihnachtsbaum zu hängen. Die Gedanken der Menschen, sind förmlich zu hören. HOFFENTLICH ist diese Corona Theater bald vorbei.

Die Geschäfte und Restaurants sind alle geschlossen. Nur die Bäckerei und der Kiosk haben offen, also ein ziemlich gespenstisches Bild bietet sich uns hier. Was soll’s haben wir ja erwartet nachdem unsere Regierung uns diese Pandemie Regeln und Verbote aufgedrückt hat. Wir für unseren Teil lassen uns die gute Laune nicht verderben, sei es nun wie es wolle!

Hotel Backstage bei der Eisbahn

Gerade jetzt und auch bei anderen Gelegenheiten in Zermatt ist es ratsam ein Hotel mit Wellness und oder Spa zu buchen. Wiso? Wenn das Wetter schlecht ist und alle Läden geschlossen haben und du nicht Skifahren kannst, könnte es sehr schnell eintönig und langweilig werden. Jetzt ist die Wetterlage genauso. Unbeständig und zweifelhaft.

Bereits vor einiger Zeit haben wir das Backstage Hotel reserviert, schön zentral gelegen und nur 5 Minuten vom Bahnhof und der Gornergrat Bahn entfernt. Unterkünfte gibt es jedoch in Zermatt in Hülle und Fülle von preiswert bis unbezahlbar. Auch das Backstage Hotel zählt nicht zu den günstigsten und vor allem sind die Preise wie an der Börse, Angebot und Nachfrage. Samstag auf Sontag zahlt man am meisten. Doch bietet das Hotel aussergewöhnliches. Heinz Julen in Zermatt eine Konifere realisierte 1991 das Projekt Backstage. Hotel, Kino, Kunst, Gaumenschmaus, Wellness und Architektur unter einem Dach. Heinz Julen wohnt mit seiner Familie, sogar im eigenen Hotel im Dachgeschoss. Beim Frühstück ist er oft mit Familie bei den Gästen anzutreffen. Nach dem Motto, Lasst uns gemeinsam in Balance und Frieden lebenHier im Hotel und Restaurant begegnen man sich per DU ungezwungen und angenehm.

Als erstes sticht mir der grosse Kronleuchter ins Auge, Trompeten und Geigen verziert mit Kugelketten ein Kunstwerk von Heinz. Wände sind verkleidet mit alten gebrauchen Schalungs -Elementen und bei einem Stahl H Träger die das Backstage Hotel prägen, liegt noch ein Pflaster Haufen der wohl vergessen ging wegzuputzen oder ist es Absicht? Das ist genau das Künstlerische Schaffen von Heinz Julen, gebrauchten und alten Gegenständen ein neues Gesicht zu verleihen was sich durch das ganze Backstage Hotel zieht.

 

Zermatt wird Weltberühmt

Schon sein Vater August Julen war kein unbekannter in Zermatt. Sondern derjenige Mann der den Grundstein, kurz nach dem zweiten Weltkrieg legte, für das heutige Zermatt. Vom abgelegenen Bauerndorf das niemand kannte zum Tummelplatz der Reichen und manchmal auch schönen. August war der Skilehrer vom damals reichsten Mann der Welt J. Paul Getty und so wurden dem Jungen August Julen Tür und Tore offen. Inspirier von seinen Tagen als Skilehrer in Davos und St. Moriz wollte er einen Skilift nach Findeln bauen, da es damals erst einen Lift auf die Sunnegga gab.

Das Geld für das Projekt hat sich August von seinem Vater Severin geborgt, der aber dem Liftprojekt eher skeptisch gegenüberstand. Darum konnte er auch nicht glauben, dass mit so einem Beförderungsmittel an einem Tag so viel Geld verdient werden konnte wie damals eine Kuh kostete. Vorher war man in Zermatt Bauer oder Bergführer die gut betuchten Gäste auf den Viertausender führten. Das Leben hier oben war hart und voller Entbehrungen. Der Markante Berg und die Innovativen Köpfe wie ihn August hatte, brachten anschliessend den Touristenstrom aus aller Welt nach Zermatt. Solche Erfolgs -Geschichten die das Leben schreibt begeistern immer wieder.

 

Die Chill Restaurants an der Piste

Heinz Julen der Begründer vom Hotel Backstage hat übrigens seinen Namen von Jack Heinz, den Ketchup-König dem Vater August auch das Skifahren beibrachte. Das ehemalige Pistenrestaurant Alpenheim heute Chez Vrony mit 14 Gault-Millau-Punkten betreibt Vroni die Schwester von Heinz Julen. Ein Restaurant, dass du unbedingt besuchen solltest wenn du auf den Pisten von Zermatt unterwegs bist. Auch eine Gaumenfreude nur Hundert Meter von Chez Vrony ist das Paradisli auch dort lohnt es sich einzukehren. Halt heute sagt man Chillen und im Moment wegen Corona nur Take Away schade.

 

Das Wetter in den Bergen

Unberechenbar und launisch ist das Wetter in Zermatt umrandet von hohen Bergen. So war es auch am Freitag es ist oben grau und unten weiss. Fast unmöglich einigermassen Ski zu fahren und trotzdem hat es Spass gemacht. In der Nacht auf Samstag gab es noch fast 10 Centimeter Neuschnee, der meines Erachtens dringend nötigt war. Die starken Winde haben die steilen Hänge fast leergefegt vom Schnee. An Wind abgewandten Hängen, hat sich der Treibschnee angehäuft und Schneewechten sind entstanden. Durch dieses Phänomen steigt die Lawinengefahr erheblich.

Aus diesem Grund ist bereits ein Helikopter mit Sprengstoff unterwegs um die Schneeansammlungen zu Sprengen und Lawinen so gezielt auszulösen. Ein Blitz und kurze Zeit Später der dumpfe Knall, hallend an den schroffen Felswänden, ein interessantes Spektakel früh am Morgen zur Sicherheit der wenigen Wintersportler, die trotz Corona nach Zermatt gekommen sind.

Weil die Skiregion Zermatt und die Berg Bahnbetreiber, nicht genau wusste ob der Bundesrat plötzlich, wegen Corona das ganze Skigebiet schliesst wurden auch weniger Bulli Fahrer engagiert, die jetzt fehlen. Nach dem nächtlichen Schneefall war das Präparieren der vielen Pisten, ein Ding der Unmöglichkeit. Daher sind einige Pisten nicht bearbeitet. Natürlich ein Traum für Neuschnee Fahrer. Alle anderen hatten teils grosse Mühe im Neuschnee zurecht zu kommen.

Ja dieses Jahr ist vieles anders und ungewohnt in Zermatt. Restaurants und Geschäfte geschlossen. Die Bahnhofstrasse fast Menschenleer und an den Pisten gibt es Take Way mit Abstandsregeln und sonstigen Erschwernisse für die Betreiber.

Ich frage mich ob diese Vorkehrungen und zum Teil schwachsinnigen Regen, zum Ziel führen oder das Dilemma im Nachhinein nur grösser wird. Es bleibt abzuwarten die Geschichte wird es zeigen.

 

 

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